Radon (222Rn) ist ein natürlich vorkommendes, radioaktives Edelgas, das durch den radioaktiven Zerfall von Uran und Radium im Erdreich und Festgestein entsteht. Da es farblos, geruchlos und geschmacklos ist, bleibt sein Eindringen ohne Messtechnik unbemerkt. Über Undichtigkeiten in Bodenplatten, Risse und Rohrführungen diffundiert es in Aufenthaltsräume und gilt nach dem Tabakrauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Jahresmittelwert von maximal 100 Bq/m³, während das deutsche Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) einen gesetzlichen Referenzwert von 300 Bq/m³ vorschreibt. Im modernen Passiv-Stahlhaus verhindern hochdichte Verbundmembranen und Unterboden-Absauganlagen das Eindringen von Bodengas zuverlässig.
1. Radon-Physik und konvektiver Bodengas-Transport
Das Eindringen von Radon in Gebäude wird überwiegend durch geringe Druckdifferenzen zwischen Baugrund und Innenraum angetrieben:
- Kamineffekt: Im Winter steigt erwärmte Raumluft nach oben und erzeugt im Untergeschoss einen Unterdruck (Δ P ≈ 2 - 10 Pa).
- Dieser Saugeffekt zieht das radonhaltige Bodengas durch undichte Fugen und Leitungsdurchführungen förmlich in das Gebäude.
- Der Gastransport setzt sich aus Diffusions- und Konvektionsströmen zusammen:
Wobei D den Diffusionskoeffizienten, k die Bodenpermeabilität, μ die dynamische Viskosität und dP/dx den Druckgradienten beschreibt. Primäres Ziel im Passivhaus ist es, diesen Diffusionsstrom durch gasdichte Schichten zu stoppen und den Druckgradienten umzukehren.
2. Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Aufgrund geologischer Formationen (Granit, Buntmetalle, Karst) weisen manche Regionen sehr hohe Bodenluftkonzentrationen von über 100.000 Bq/m³ auf:
- Deutschland: Ausgewiesene Vorsorgegebiete im Erzgebirge, Bayerischen Wald, Fichtelgebirge und Teilen des Schwarzwaldes.
- Österreich und Schweiz: Granitische Gebiete im Waldviertel, Mühlviertel sowie alpine Täler in Graubünden und dem Tessin.
- SerVilla berücksichtigt vor Baubeginn die behördlichen Radon-Karten und geotechnischen Baugrundgutachten.
3. Gasdichte Verbundmembranen mit Aluminiumkern
Gewöhnliche Baufolien aus reinem Polyethylen bieten keinen dauerhaften Radonschutz, da das Edelgas auf atomarer Ebene durch Standard-PE diffundiert:
- Alukaschierte Elastomer-Verbundmembranen: Eine integrierte Reinaluminiumfolie (15 - 25 μm) wirkt als absolute Diffusionssperre.
- Radon-Diffusionskoeffizient: Zertifizierte Bahnen weisen einen Wert von D ≤ 10-12 m²/s auf und gelten als radondicht nach DIN SPEC 20000-202.
- Nahtverbindung: Überlappungen von mindestens 100 mm werden im Heißluftschweißverfahren oder mit beidseitigem Butyl-Dichtband luftdicht verschlossen.
4. Passive und aktive Unterbodenabsaugung (Radonbrunnen)
In der kapillarbrechenden Schotterschicht unter der isolierten Bodenplatte wird ein Rohrsystem oder ein Absaugschacht (Radon-Sump) installiert:
- Passive Druckentlastung: Ein geschlossenes Steigrohr führt vom Schotterbett über das Dach. Der natürliche thermische Auftrieb leitet das Bodengas gefahrlos ins Freie ab.
- Aktive Absaugung: In stark belasteten Gebieten erzeugt ein geräuscharmer, dauerlauffester 20W-Rohrventilator kontinuierlich einen leichten Unterdruck unter der Bodenplatte, sodass kein Bodengas ins Haus diffundieren kann.
5. Radonschutzmaßnahmen im technischen Vergleich
| Schutzkomponente | Konventioneller Standard | Erhöhter Schutzstandard | SerVilla Passivhaus-Standard |
|---|---|---|---|
| Dichtungsbahn | 0.2 mm PE-Folie | 1.2 mm Bitumenbahn | Alukaschierte Verbundbahn (D < 10-12 m²/s) |
| Nahtfügung | Stoß an Stoß verklebt | Butylband-Verklebung | Verschweißte Überlappung + Butyl-Sicherungsstreifen |
| Rohrdurchführungen | PU-Bauschaum | Dichtmanschetten | Gasdichte Ringraumdichtungen (Curaflex/Hauff) |
| Baugrund-Entlüftung | Keine | Punktueller Radonbrunnen | Ringförmiges Saugleitungssystem mit Dachauslass |
| Lüftungssystem | Fensterlüftung | Abluftanlage | Kontrollierte Be- und Entlüftung (KWL) ohne Unterdruck |
| Raumluft-Zielwert | Häufig > 150 Bq/m³ | < 100 Bq/m³ | < 50 Bq/m³ (Sichere Wohnqualität) |
6. Ringraumdichtungen und Druckbalance durch KWL
Die kritischsten Leckagestellen für Radon sind Hauseinführungen von Trinkwasser, Abwasser, Strom und Glasfaser. Bei SerVilla werden alle Durchdringungen mit gas- und druckwasserdichten Ringraumdichtungen (Typ Curaflex / Hauff-Technik) im Fundament eingegossen. Zusätzlich verhindert die eingemessene KWL-Anlage im Passivhaus einen raumseitigen Unterdruck, wodurch das Bodengas gar nicht erst ins Gebäude gesaugt wird.